Die Juroren

Bei einem Festival werden mittellange Filme – wenn überhaupt – von einer Jury von maximal drei Personen begutachtet. Wie wichtig aber gerade diese Sichtbarkeit gegenüber Branchenvertretern ist, zeigt das Beispiel des Filmemachers Patrick Vollrath, dessen mittellanger Film „Alles wird gut“ 2016 bei einem Festival durch Juror und Produzent Jonas Katzenstein gesehen wurde und der daraufhin eine Zusammenarbeit für das Langfilmdebüt vorschlug. Daraus wurde der Film „7500“ mit keinem geringeren als Hollywood-Star Joseph Gordon-Levitt (The Walk, Snowden, Looper, Inception) in der Hauptrolle. 

Um auch anderen Regisseuren herausragender mittellanger Filme dieses unbezahlbare Netzwerk zu ermöglichen, haben wir die „Big Shorts Awards“ ins Leben gerufen. Von einem Fachgremium von erprobten Kuratoren lassen wir die komplette Jahresproduktion an deutschsprachigen mittellangen Filmen sichten und nominieren dann die 10 besten Filme. Diese wiederum stellen wir einer Jury – bestehend aus 30 hochkarätigen Branchenvertretern – zur Abstimmung vor. Im ersten Jahr haben für uns gesichtet aus der Sektion:

Schauspiel Lana Cooper, Julius Feldmeier, Christina Hecke, Max Hegewald, Charly Hübner, Jan Josef Liefers, Marie-Lou Sellem, Devid Striesow, Anna Suk und Sebastian Urzendowsky

Regie Jan Bonny, Luise Brinkmann, Almut Getto, Axel Ranisch und Christian Schwochow

Casting An Dorthe Braker, Anja Dihrberg, Emrah Ertem, Nina Haun und Marc Schötteldreier

Produktion & Redaktion  Bettina Brokemper, Christian Cloos, Jörg Himstedt, Jonas Katzenstein und  Saralisa Volm

Bildgestaltung Martin Langer und Benedict Neuenfels

Festival & Förderung Sebastian Brose, Julie Kania  und Jenni Zylka

The Big Shorts – Die 10 besten Filme des Jahres

Zum ersten Mal vergibt das Forum für Mittellangen Filme in diesem Jahr Preise für herausragende Leistungen im Bereich “Mittellanger Film”. Nominiert für Preise in den Kategorien

  • Bester Film
  • Beste Regie
  • Bestes Schauspiel
  • Bestes Drehbuch
  • Bestes Kamera

sind:

DER AUSFLUG 

A 2018, 39 Minuten

Regie: Jürgen Karasek (geb. 1982 in Kulmbach / D), Buch: Timothy Bidwell, Kamera: Roman Chalupnik

Darsteller: Enzo Gaier, David Oberkogler

Festivals: Diagonale, Hofer Filmtage, Filmz Mainz 

Inhalt: Der 14-jährige Max fährt mit seinem Vater Wolfgang (45) und dessen Freunden zu einem Zeltausflug in den Wald. Die beiden haben sich seit der Trennung der Eltern vor einigen Monaten nicht mehr gesehen und erleben ein Wochenende der Annäherung mit Bier, Männergesprächen und Männlichkeitsriten. Bald wird die eigentliche Idylle des Ausflugs jedoch immer beängstigender, und das wiedererstarkte Band zwischen Max und Wolfgang wird auf eine harte Probe gestellt. hier geht’s zum Trailer

 

BESTER MANN 

D 2018, 44 Min

Regie & Buch: Florian Forsch (geb. 1981 in Moers / D), Kamera: Dino Osmanovic, Darsteller: Adrian Grünewald, Frederik Schmid

Festivals: Max Ophüls Preis, Diagonale, Biberacher Filmfestspiele

Inhalt: Gemobbt zu werden ist für den schüchternen Teenager Kevin Alltag. Doch eines Tages kommt ihm ein Unbekannter auf einem Motorrad zu Hilfe. Kevin ist sofort fasziniert von Bennie, der etwa doppelt so alt ist wie er – auch, weil er ihm erzählt, dass er als Talentscout arbeitet und in seinem Bungalow professionell Fotos macht. Kevin will unbedingt, dass Bennie ihn fotografiert. Doch die Bilder werden viel freizügiger, als der Junge es dachte. Kevin will Bennie um keinen Preis enttäuschen und lässt sich von ihm sogar überreden, noch viel weiter zu gehen. Er genießt das Gefühl, endlich einen Freund gefunden zu haben. So sehr, dass er nicht merkt, was wirklich hinter Bennies anständiger Kleingarten-Fassade steckt, in der verräterisch die Deutschlandfahne flattert. „Bester Mann” ist eine Geschichte über die Verletzlichkeit von Jugend und darüber, wie gut sich organisiertes Verbrechen hinter einer einfachen Ideologie verbergen lässt. Eine Geschichte von Nähe und Distanz, ebenso verstörend wie alltäglich. hier geht’s zum Trailer

 

ENDLING 

D 2018, 30 Min

Regie: Alex Schaad (geb. 1990 Qaskeleng / Kasachstan), Buch: Alex Schaad, Dimitri Schaad, Kamera: Ahmed Mofid El Nagar, Darsteller: Bernd Grawert, Imogen Kogge, Dimitri Schaad

Festivals: Max Ophüls Preis, Filmfest Dresden, Landshuter Kurzfilmfestival , Filmz Mainz, Kinofest Lünen

Inhalt: Armin Kobzcick ist ein alternder, aber stolzer Bergmann. Er lebt für einen Beruf, der in Deutschland ausstirbt. Der Steinkohleabbau wird eingestellt und Armin steht vor den Scherben seiner Identität. Ein Arbeiter, der sich über die nun schwindende Kraft seines Körpers definiert, kämpft ein letztes Mal darum seinem Leben einen Wert zu geben. hier geht’s zum Trailer

 

ENTSCHULDIGUNG ICH SUCHE DEN TISCHTENNISRAUM UND MEINE FREUNDIN

A / D / SWE 2018, 23 Min

Regie & Buch: Bernhard Wenger (geb. 1992 in Salzburg / A), Kamera: Albin WildnerDarsteller: Rasmus Luthander, Elli Tringou

Festivals: Max Ophüls Preis, Diagonale, Filmfest Dresden , Int. Kurzfilmfestival Hamburg, Landshuter Kurzfilmfestival , Filmz Mainz, Kinofest Lünen

Inhalt: Aron ist mit seiner Freundin auf Wellnessurlaub in den österreichischen Bergen. Nach einem Streit verlässt sie das Zimmer – und verschwindet spurlos. Seltsam stoisch lässt sich Aron fortan durch den skurrilen Mikrokosmos des Hotels treiben. Zwischen Warten und Suchen wird eines augenscheinlich: Auch wenn man nichts tut, tut man niemals nichts. 

 

EVERYDAY 

D 2018, 30 Min

Regie & Buch: Lutz Rödig (geb. 1991 in Bonn / D), Kamera: Sabine Stephan, Darsteller: Moritz Heidelbach, Erwin Geisler

Festivals: Max Ophüls Preis,  Filmz Mainz

Inhalt: Junggesellenabschied, Arztpraxis, Berufsverkehr. Absurde Tableaus suchen die Komik im Anblick der Einsamkeit und Ignoranz des urbanen Alltags. In einer Collage kleiner Grausamkeiten zeigt sich die Großstadt als ein Irrenhaus, in dem nicht klar ist, wer Besucher ist und wer Patient.

 

FACING MECCA 

CH 2017, 28 Min

Regie: Jan-Eric Mack (geb. 1983 in Trüllikon / CH), Buch: Anna Chinz, Jan-Eric Mack, Kamera: Jan Mettler, Darsteller: Jay Abdo, Peter Freiburghaus

Festivals: First Steps Awards, Student Academy Award, Oscar Shortlist, Max Ophüls Preis, Schweizer Filmpreis, Kurzfilmtage Winterthur, Filmz Mainz, Landshuter Kurzfilmfestival

Inhalt: Pensionär Roli hilft dem syrischen Flüchtling Fareed, seine Frau in der Schweiz zu beerdigen. Dabei stossen sie auf unüberwindbare, bürokratische Hindernisse. Doch Roli hat einen Plan. hier geht’s zum Trailer

 

FREMDE

D 2018, 30 Min

Regie: Tim Dünschede (geb. 1984 in Speyer / D), Buch: Marc Vogel , Kamera: Holger Jungnickel, Darsteller: Emma Bading, David Bredin

Festivals: Max Ophüls Preis , Achtung Berlin, Sehsüchte Potsdam, Wendland Shorts , Kurzsüchtig Leipzig, Filmz Mainz

Inhalt: Marie lebt mit ihrem Vater und ihrem kleinen Bruder im Wald in einem Bunker unter der Erde. Die Welt, wie wir sie kannten, gibt es nicht mehr. Als der Vater auf der Jagd versehentlich einen Fremden anschießt, bleiben ihm nur zwei Möglichkeiten. Das weiß auch Marie. Zuhause verarztet sie den bewusstlosen Mann. Während der Vater dem Fremden misstraut, nähert Marie sich ihm an. Für sie ist das vermeintliche Zuhause ein Gefängnis, aus dem sie ausbrechen möchte, und der Fremde könnte ihr vielleicht dabei helfen. Aber als drei Marodeure in den Bunker eindringen, ist Marie sich nicht mehr sicher, was ihr neuer Freund wirklich im Schilde führt.

 

IM LEUCHTTURM

D 2018, 30 Min

Regie & Buch: Felix Schon (geb. 1988 in Bernkastel-Kues / D), Kamera: Paul Faltz, Darsteller: Leon Ullrich, Ronald Kukulies, Festivals: Filmfest Biberach,Bamberger Kurzfilmtage 

Inhalt: Eine Kneipe, neun Gäste und eine Wirtin: Das Kammerspiel taucht ein in den sozialen Mikrokosmos des Eckkneipen-Milieus. Ein Film über die kuriosen und faszinierenden Geschichten und Menschen, die sie erzählen und ihnen lauschen. Zum Wohl! hier geht’s zum Trailer

 

 

D / SWE 2018, 30 Min

Regie: Sophia Bösch(geb. 1987 in CH), Buch: Sophia Bösch, Roman Gielke, Kamera: Aleksandra Medianikova, Darsteller: Sofia Aspolm, Lennart Jähkel

Festivals: Berlinale – Perspektive Deutsches Kino, Sehsüchte Potsdam, Achtung Berlin, Short Corner Cannes, Wendland Shorts, Filmz Mainz

Inhalt: Die sechzehnjährige Linn darf endlich mit ihrem Vater auf die Elchjagd. Sie kennt die Jagd und ihre Gesetze, doch in der Gruppe der Jäger muss sie sich erst beweisen. Linn trifft. Sie schießt ihren ersten Elch. Aber ihr Stolz ist von kurzer Dauer, als sich herausstellt, dass sie eine Mutterkuh getötet hat. Elchkühe dürfen nicht geschossen werden, bevor man ihr Kalb erlegt hat. Das Junge muss aufgespürt und getötet werden, damit es nicht elend verendet. Voll Scham und Eifer macht Linn sich alleine auf die Suche nach dem Tier. Ein Gang in die Wildnis, der ihre eigentliche Prüfung wird. hier geht’s zum Trailer

 

SIEBENPUNKT

D 2018, 30 Min

Regie & Buch: Jonas Walter, Kamera: Domenik Schuster, Darsteller: Matti Schmidt-Schaller, Nele Ahrend, Festivals: Max Ophüls Preis, Sehsüchte Potsdam, Filmz Mainz

Inhalt: Rick, seine Schwester Monique und ihr Freund Marco feiern in einer vergilbten Dorfdisco das Ende der Schulzeit. Es ist ein großer Abend zwischen Euphorie und Resignation vor eingetretenen Lebenswegen. Viele haben sich verkleidet. Monique gefällt sich als Marilyn Monroe. Rick findet es witzig, als Marienkäfer zu erscheinen, doch da ist er der einzige. Er passt nicht in Marcos Selbstverständnis. Es wird eine verhängnisvolle Nacht. hier geht’s zum Trailer

 

Mittellange Filme in Saarbrücken

14 Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind in diesem Jahr im Wettbewerb um den Besten Mittellangen Film beim 40. Filmfestival Max-Ophüls-Preis vertreten. Einige davon konnten wir sichten und wärmstens empfehlen, so z.B. Magdalena Chmieleswskas Vergewaltigungs-Drama “Am Himmel“, das 2018 bereits mit dem First Steps Award ausgezeichnet wurde. Auch die beiden anderen österreichischen Beiträge “Freigang” von Martin Winter, der von einer jungen Frau erzählt, die binnen eines Tages eine schwere Entscheidung bzgl. der Obhut ihres Kindes treffen muss sowie “Die Schwingen des Geistes“, der dritte Teil der Komödien-Trilogie um die Saga des abgebrochenen Musikwissenschaftlers Szabo (kongenial verkörpert und inszeniert von Albert Meisl).

AM HIMMEL

 

Regie: Magdalena Chmielewska / Österreich 2018 / Farbe / 30 Min. / Darsteller: Maria Spanring, Julia Jelinek, Valentin Postlmayr, Johanna Orsini-Rosenberg

DUTCH WIFE

Regie Raphael Hausmann, Frederik Reder, Vanessa Rosa Wolf-Willey, Elena Wiener, Sophia Müller-Bienek, Lena Schütten / Deutschland 2019 / Farbe / 39 Min. / Uraufführung / Darsteller Leander Gerdes, Angelika Fornell, Cedric Sprick, Lisa Marlen Flohr, Helena Hillgärtner

FALTER

Regie Harriet Maria & Peter Meining / Deutschland 2019 / Farbe / 44 Min. / Darsteller André M. Hennicke, Michael Kranz, Bernhard Schütz, Dennenesch Zoudé

FLOCKE & PROSCHINSKI

Regie Lutz Rödig / Deutschland 2019 / s/w / 30 Min. / Darsteller Vincent Krüger, Stefan Lampadius, Peter Kaghanovitch, Ronja Herberich

FREIGANG


Regie Martin Winter / Österreich, Deutschland 2019 / Farbe / 35 Min. / Darsteller Anna Suk, Christopher Legedza, Birgit Linauer, Patrick Schmidl, Daniela Zacherl

I GREW A STATUE

Regie Aaron Arens / Deutschland 2019 / Farbe / 30 Min. / Darsteller: Elias Arens, Merle Wasmuth

LABEL ME

Regie Kai Kreuser / Deutschland 2019 / Farbe / 60 Min. / Darsteller Renato Schuch, Nikolaus Benda

DIE LETZTEN KINDER IM PARADIES

Regie Anna Roller / Deutschland 2019 / Farbe / 30 Min. / Darsteller Lea Drinda, Moritz Licht, Doris Buchrucker

NO ONE’S HOME

Regie Nevena Savić / Deutschland, Bosnien-Herzegowina 2018 / Farbe / 28 Min. / Darsteller Alija Aljović, Sandra Holeczek, Sandra Fazlić

PIG HEART

Regie Artjom Baranov / Deutschland 2019 / Farbe / 30 Min. / Darsteller Natalia Rudziewicz, Anuk Steffen, Esther Maria Pietsch, Sebastian Winkler, Pepe Trebs

DER PROBAND


Regie Hannes Schilling / Deutschland 2019 / Farbe / 30 Min. / Darsteller Dominique Zimmer, Janine Wölke

DAS ROTE RAD

Regie Nicolas Ehret / Deutschland 2019 / Farbe / 30 Min. / Darsteller Paul-André Patiño Poulat, Andreas Dobberkau, Rike Eckermann, Merle Wasmuth, Christine Diensberg

Regie Albert Meisl / Österreich 2019 / Farbe / 29 Min. / Darsteller Rafael Haider, Erwin Riedenschneider, Graham Parkes, Abe Gruber

SCHÄCHER

Regie Flurin Giger / Schweiz 2018 / Farbe / 30 Min. / Darsteller Ernst Jacobi, Vilmar Bieri

 

Mittellange Filme in Hof

Sieben mittellange Filme aus Deutschland und Österreich sind in diesem Jahr in Hof vertreten. Einige davon konnten wir vorab bereits sichten und wärmstens empfehlen, so z.B. Jürgen Karaseks intensives Coming-of-Age-Drama “Der Ausflug”, Christoph Schwarz herrlich innovative Doku-Style Komödie “CSL” (beide aus Österreich) und Ruhat Yildiz’ Drama “Mitose”, das eindringlich der Frage nach Wurzeln, Identität, Freiheit und Selbstbestimmung nachgeht mit einer herausragendenden Hauptdarstellerin. 

DER AUSFLUG (A 2018 – 39 Minuten)

Regie: Jürgen Karasek, Drehbuch: Timothy Bidwell, Kamera: Roman Chalupnik, Schnitt: Claudia Linzer

Darsteller: Enzo Gaier, David Oberkogler, Max Meyr

Synopsis: Der 14-jährige Max fährt mit seinem Vater Wolfgang (45) und dessen Freunden zu einem Zeltausflug in den Wald. Die beiden haben sich seit der Trennung der Eltern vor einigen Monaten nicht mehr gesehen und erleben ein Wochenende der Annäherung mit Bier, Männergesprächen und Männlichkeitsriten. Bald wird die eigentliche Idylle des Ausflugs jedoch immer beängstigender, und das wiedererstarkte Band zwischen Max und Wolfgang wird auf eine harte Probe gestellt.

Preise: Diagonale 2018 Thomas-Pluch-Drehbuchpreis

CSL (A 2018 – 35 Minuten)

Regie, Drehbuch & Schnitt: Christoph Schwarz, Kamera: Georg Geutebrück

Darsteller: Christoph Schwarz, Robert Buchschwendter

Synopsis: Sechs Männer um die dreißig tragen denselben Namen – kann alleine daraus eine Freundschaft entstehen? CSL zeichnet die Gründungsgeschichte der „Christoph-Schwarz-Loge“ über ein Jahr aus Sicht des Filmemachers nach. Aus Googlenachbarn werden Namensbrüder, man hilft sich gegenseitig beruflich und privat, nennt sich Loge, ist sich aber nicht ganz sicher – ein Männerbund im 21. Jahrhundert, was macht man(n) da? Fiktive Elemente innerhalb der dokumentarischen Handlung stellen das freundschaftliche Gefüge der Loge auf die Probe. Was ist denn jetzt wichtiger: Die Loge oder ein Film über die Loge?

Festivals: Diagonale 2018

 

CROSSING BORDERS (D 2018 – 30 Minuten)

Regie & Drehbuch: Abini Gold, Kamera: Dominik Moos, Schnitt: Daniela Schramm-Moura

Darsteller: Sarah Mahita, Yahia Daghestani, Daniel Wiemer

Synopsis: Seit einigen Wochen ist Toni mit Samir zusammen, einem jungen Syrer, der in der Turnhalle ihrer Schule untergebracht ist. Toni befürchtet, dass ihr Vater Theo mit Ablehnung auf ihren ersten Freund reagieren wird und testet unter falschem Vorwand seine Einstellung dazu. Ihr wird unmissverständlich klar, dass ihr Vater niemals einen arabischen Mann an ihrer Seite akzeptieren würde und beschließt, ihre Beziehung zu Samir geheim zu halten. Als Theo und Samir vor den Augen ihrer Klasse aneinander geraten, kollabiert Tonis Lügenkonstrukt und sie muss alles riskieren, um nicht beide zu verlieren.

Filmhochschule: Filmakademie Ludwigsburg

FAME (D 2018 – 30 Minuten)

Regie & Drehbuch: Lene Pottgießer & Christian Hödl, Kamera: Georg Nikolaus

Darsteller: Michaela Fembacher, Christian Hödl, Eva Bergmann, Thomas Lettow

Synopsis: Ferdi und Tschacki, aufgewachsen in der Tristesse des bayerischen Hinterlandes, teilen den Traum, als Models die Laufstege der Welt zu erobern. Ihr größtes Ziel ist es, an einer Model Casting Show teilzunehmen und diese zu gewinnen. Im krassen Gegensatz dazu steht ihr unglamouröser Alltag als arbeitslose Landjugend. Werden sie es schaffen auszubrechen und ihre Träume in die Realität umzusetzen?

Filmhochschule: HFF München

 

IM SPECKMANTEL (D 2018 – 29 Minuten)

Regie & Drehbuch: Katharina Bischof, Kamera: Robert von Münchhofen, Schnitt: Tobias Forth

Darsteller: Doris Buchrucker, Julia Jäger, Matthias Neukirch, Frank Pätzold, Nadja Sabersky

Produktion: Edgar Reitz Filmproduktion

Synopsis: Als David an Weihnachten seine Familie besucht, erwartet ihn eine familiäre Zusammenkunft der ganz besonderen – besonders feindlichen – Art. Ausgerechnet an Heiligabend stellt der junge Mann fest, dass seine Familienmitglieder Nächstenliebe und liberale Werte über Bord geworfen haben. Sie haben Angst. Angst vor Veränderungen, Angst davor, dass ihnen etwas weggenommen wird. David kann mit dem schwelenden Rassismus nichts anfangen und geht auf Konfrontation. Dass ausgerechnet sein Vater, zu dem er immer aufgeblickt hat, nun Botschaften aus dem rechten Spektrum wie selbstverständlich wiedergibt, erschüttert David schwer. Er kann diese „Grobheiten“ nicht ignorieren. Auch wenn Weihnachten ist. Und David will es auch nicht.

Filmhochschule: HFF München

MITOSE (D 2018 – 25 Minuten)

Regie: Ruhat Yildiz, Drehbuch: Ruhat Yildiz & Alexander Schwarz, Kamera: Alexander Schwarz

Darsteller: Ines Marie Westernströer, Pia Sarpei

Synopsis: Eva (33) lebt seit drei Jahren in Izmir und hat zu ihrer in Köln ansässigen Familie keinen Kontakt mehr. Eines Tages bekommt sie einen Anruf von ihrer Schwester Christina (38) und erfährt, dass ihr Vater verstorben ist. Daraufhin reist Eva nach Köln, um das Grab ihres Vaters zu besuchen, wird dort aber mit einem überraschenden Umstand konfrontiert. Anschließend wird Eva klar, dass Christina sich etwas Außerordentliches von ihr erhofft. Eva befindet sich in einem moralischen Konflikt zwischen ihren eigenen Bedürfnissen und denen ihrer Familie. Sie muss eine Entscheidung treffen.

Filmhochschule: KHM Köln

PENTHESILEA (D 2018 – 30 Minuten)

Regie: Maximilian Villwock, Drehbuch: Isabella Oliveira Kröge, Kamera: Cedric Retzmann, Schnitt: Martin Herold

Darsteller: Souleymane Sylla, Charlotte Velilla Nunez, Livia Matthes, Burak Yigit

Synopsis: Die transsexuelle, puertoricanische Hebamme Penthesilea und der französische Gepäckabfertiger Latif entdecken in dem jeweils anderen Hoffnung auf Liebe, doch zuerst müssen sie sich selbst befreien.  Latif, der davon träumt, Pilot zu werden, muss sein altes Leben hinter sich lassen. Penthesilea ist eine Einzelkämpferin und glaubt, Latif nicht vertrauen zu können. Als Latifs Exfreundin sie aufsucht, um sie zu demütigen, fühlt Penthesilea sich verraten. Ihre Ängste sind auferstanden, die sie in sich trägt, seit sie sich ihrer Mutter das erste Mal anvertraute. Sie macht sich auf, um zu zerstören.

Filmhochschule: Filmuniversität Babelsberg

Wann ist ein Film ein Film?

Man könnte denken, es ginge uns als Forum für Mittellange Filme gar nichts an, dieses Thema, das nun seit Cannes wieder heiß diskutiert wird, nämlich die Frage: Wann ist ein Film wirklich ein Film? Filmpuristen sind sich einig, dass er für’s Kino gemacht sein und auch dort gezeigt werden muss. Damit wollen Sie Filme von Netflix, Amazon & Co. in ihre Schranken weisen. Was sie damit aber im Grunde auch tun: Sie sprechen den Kurz- u. Mittellangen Filmen ihren selbstdefinierten „Film“-Status ab. Denn auch diese Filme haben (noch) keine Chance auf Kinoauswertung. Macht sie das zu schlechteren Filmen? Nein! Da wir uns generell für die künstlerische Gleichberechtigung von Filmen, gleich welcher Länge oder Aufführungsort einsetzen, haben wir uns mal so unsere eigenen Gedanken zu dem Thema gemacht.

Der Traum vom Kino-Olymp

Einen Film im Kino zu sehen, in einem vollkommen dunklen, wohltemperierten Saal, gefüllt mit tausend weiteren Menschen, die sich ebenso wie man selbst auf diesen Film freuen und viel Staunenskraft und Leidenschaft aber kein Naschwerk mitgebracht haben und in bequem ergonomisch geformten Sitzen in großzügig angeordneten Reihen mit ausreichend Arm- und Beinfreiheit Platz genommen haben, um ihren Blick ungestört und erwartungsfroh auf die überdimensional große Leinwand zu richten, auf die hehre Filmkunst in brillanter Technik und glasklarem Dolby Surround Sound projiziert wird – ja das sind die perfekten Parameter für wahren Filmgenuss. Das Ideal, nach dem sich ein Cineast sehnt. Tun wir mal so, als gäbe es dieses Ideal, das so natürlich im normalen Spielbetrieb gar nicht, und annähernd auch nur bei Galavorstellungen großer Filmfestivals existiert. Einen Ort also, den der „normale“ Zuschauer nicht kennt und daher auch kaum vermissen kann. Ein paar Privilegierte aber, die schon einmal im Berlinale Palast und dem Salle Lumière in Cannes Platz nehmen durften, die kämpfen um diesen Zauber als wäre es der letzte Schutzwall der Filmkultur.

Diesen imaginären Olymp gilt es für Traditionalisten heutzutage zu verteidigen gegen einen immer schneller um sich greifenden Rezeptionswandel hin zu immer kleineren Bildschirmen, die im schlimmsten Falle die Größe eines iPads nicht übersteigen. Möglich machen diesen Umsturz der Sehgewohnheiten Streaming-Anbieter wie Netflix, Amazon, Sky, Hulu und demnächst auch Apple. Solange diese Firmen nur Fremdproduktionen und vor allem Serien im Angebot hatten, sah man von Seiten der Studios, Kinos und Verleiher keine größere Bedrohung. Nun aber, da diese Firmen eigene Inhalte produzieren, quasi selbst zu Filmstudios wurden, sich im Fall von Amazon sogar so nennen, liegt der Fall anders: Seit 2015 stecken diese Anbieter, die jahrelang mit ihrem Streaming-Angebot beträchtliche Gewinne erwirtschaftet haben, diese in eigene Produktionen, und das nicht nur in Serien, sondern auch in Spielfilme. Filme, wohlgemerkt, die sonst kein Studio machen würde, weil ihnen die  Projekte zu riskant, zu teuer oder beides sind (Paramount z.B. ließ Martin Scorsese nach dem „Silence“-Flop im Falle der 125 Mio. Dollar-Produktion „The Irishman“ alleine, was ihn letztlich in die Netflix-Arme trieb, die dem Altmeister nicht nur künstlerische Freiheit sondern auch das nötige Geld zur Verfügung stellten. Warum aber begnügt man sich bei Amazon, Netflix & Co nicht mehr wie bislang mit dem Ankauf von Filmtiteln, sondern drängt nun auch ins Studio-Geschäft? Die Antwort ist simpel: Autarkes Handeln und Kundenbindung. Bei Fremdproduktionen mussten sich Streamingdienste an Auswertungssperren halten, die es ihnen neun bis zwölf Monate lang untersagte, Kinofilme zu streamen. Mit Eigenproduktionen konnte diese Regelung umgangen und Kunden sogar exklusiv Filme angeboten werden. Das erhöht die Attraktivität in den Augen der Abonnenten (mittlerweile rund 125 Millionen allein bei Netflix gegenüber 57 Millionen Abonnenten vier Jahre zuvor), und die spülen nun mal das Geld in die Kasse.

Das Amazon-Modell

Der erste Film, den Amazon Studios produzierte war Spike Lees „Chi-Raq“ (2015), der bei der Berlinale aufgeführt wurde. Es folgten 2016 Filme wie der oscarprämierte „Manchester by the Sea“ (u.a. mit Festivalteilnahmen in Sundance, Telluride, Toronto, Rom, New York, London),  Jim Jarmuschs „Paterson“, Woody Allens „Café Society“ und Todd Haynes’ „Wonderstruck“ (2017) die es allesamt in den Wettbewerb von Cannes geschafft hatten. Amazon war von Anfang an bestrebt, eine Art Basis der friedlichen Koexistenz mit Kinos zu finden und bot ein exklusives maximal 8-wöchiges Auswertungsfenster an, bevor man die Online-Vorführung startete. Amazon bewerkstelligte den Vertrieb auch bewusst nicht selbst sondern über anerkannte Firmen und Verleiher wie Filmnation, Bleeker Street, und Roadside Attractions und erleichterte es Kinos dank etablierter Distributionswege, mit ihnen ins Geschäft zu kommen und den Grundstein für eine perfekte Win-Win-Situation zu legen. Die Filme erfuhren durch den Kinostart und damit verbundene redaktionelle Filmkritik mehr Aufmerksamkeit, Bekanntheit, Prestige und letztlich auch höhere Gewinne. Diese Strategie ist wohl auch mit ein Grund dafür, dass Amazon bei der Debatte rund um das 71. Festival in Cannes, wo man Netflix-Filme aus dem Wettbewerb verbannte, unbeschadet hervorgeht und auch äußerst prominent eine ihrer diesjährigen Co-Produktionen, Terry Gilliams „The Man who killed Don Quixote“ als Abschlussfilm platzieren konnte, auch wenn Amazon mittlerweile aufgrund der andauernden Streitigkeiten zwischen allen beteiligten Produzenten seine bereits investierten 2,5 Mio. Dollar lieber verfallen und zog sich nach zahlreichen gescheiterten Vermittlungsversuchen aus dem Projekt kurz vor Festivalstart komplett zurück zog.

Das Netflix-Modell

Anders geht Konkurrent Netflix mit seinen Filmen um. Doch um gleich zu Beginn mit einem Vorurteil aufzuräumen: Auch Netflix-Filme kann man z.T. in Kinos sehen (Mudbound von Tobis, What happened to Monday von Paramount, Berlin Syndrom vom MFA herausgebracht), allerdings in anderen Fällen in den USA oft auch ohne Vorlauf in wenigen ausgewählten Kinos und parallel zum Streaming-Start. Das heißt Filmfans steht es frei, ob sie den Film zu Hause am Fernseher oder ihn im Kino auf der großen Leinwand sehen wollen. Dass diese Entscheidung bei Vielen vermutlich aufgrund des leichteren und günstigeren Zugangs mehr und mehr zugunsten von Home Cinema ausfällt, kann man in einer Gesellschaft, die immer noch den Gesetzen der freien Marktwirtschaft unterliegt, nicht Netflix anlasten. Auch das nun von vielen Kritikern ins Feld geführte Argument, Netflix könne seine Filme ohne die glamouröse Cannes-Premiere PR-technisch längst nicht so effizient promoten, kann so nicht unbestritten bleiben. Die Filme, mit denen man im vergangenen Jahr an der Croisette im Wettbewerb vertreten war (Noah Baumbachs „The Meyerowitz Stories“ und Joon-Ho Bongs „Okja“) liefen später auf der Streaming-Plattform keinen Deut besser als vergleichbare Filme ohne Festival-Start (wie z.B. David Michôds „War Machine“ oder Duncan Jones „Mute“). Hingegen konnte sich Cannes allein durch diese beiden Filme mit Hollywood-Stars wie Dustin Hoffman, Ben Stiller, Adam Sandler, Emma Thompson, Tilda Swinton, Jake Gyllenhaal und Paul Dano schmücken. Da darf man schonmal die Frage stellen, wer hier öffentlichkeitswirksam stärker profitiert hat. Netflix wird auch trotz der Verbannung aus dem Wettbewerb von Cannes an seiner Strategie festhalten und Filme lieber mit verlässlicheren und dankbareren Festivalpartnern wie Telluride, Toronto und dem New York Film Festival launchen, oder – und das war bislang ohnehin die erfolgreichste Variante – ganz ohne Kino- u. Festivaleinsätze. Weltpremieren im Netz wie im Falle von David Ayers „Bright“, Alex Garlands „Auslöschung“ oder „The Cloverfield Paradox“ waren für den Streaming-Anbieter mit großem Abstand die erfolgreichsten Filme mit den meisten Zugriffszahlen und dem größten Abonnenten-Anstieg.

Ein Kampf der nur Verlierer kennt

Und wenn man es mal ganz nüchtern betrachtet, was beim Thema Film zugegebenermaßen schwer fällt, dann war absehbar, dass der „Cannes vs. Netflix“-Fight nur Verlierer produzieren kann. Das Festival muss nun auf Perlen wie die Uraufführung von „The Other Side of the Wind“ verzichten, der cineastischen Sensation schlechthin, handelt es sich hier doch um den endlich fertiggestellten letzten Spielfilm von Orson Welles. Netflix wiederum muss angesichts der Absagen Regisseure wie Alfonso Cuaron, Paul Greengrass und vor allem Jeremy Saulnier trösten. Letzterer war bislang mit all seinen Filmen (Blue Ruin, Green Room) an der Croisette in der Quinzaine vertreten, dass er nun mit seiner bislang größten Produktion „Hold the Dark“ außen vor bleiben muss, dürfte ihn sehr schmerzen. Wer also dem Festival in Cannes applaudiert und im Kampf gegen Netflix beisteht, der denkt zu kurz. 

Man könnte den Streit auch als rein französisches Phänomen abtun, denn nur dort gibt es seit kurzem die ebenso absurde wie anachronistische Regelung, wonach Filme, die in Frankreich im Kino gestartet sind, erst drei Jahre später gestreamt werden dürfen. Hand aufs Herz, wieviele Mittelfinger würden Sie als Streamingdienst, dessen Filme das Festival gerne dennoch zeigen möchte, angesichts einer solchen Regelung den Verantwortlichen zeigen, die auf solch utopischer Exklusivität beharren? Cannes muss schon bald sowohl die Dominanz als auch die Abhängigkeit von Netflix & Amazon anerkennen, denn es braucht dessen Hollywood-Stars auf dem roten Teppich. Und so war bei der diesjährigen Eröffnung Martin Scorsese – mit der Carosse d’or für sein Lebenswerk bedacht – sicherlich nicht zufällig sondern eher demonstrativ zu sehen: In seinem im kommenden Jahr startenden Film „The Irishman“ versammeln sich mit Robert De Niro, Al Pacino, Harvey Keitel und Joe Pesci alle großen Namen der Mobster-Meisterwerke der letzten 40 Jahre. Es liegt auf der Hand, dass kein Festival, das Weltruf für sich reklamieren möchte, auf so einen Film – auch wenn er von Netflix produziert wurde – verzichten kann, denn mehr Kino geht eigentlich nicht. Lenkt also Cannes nicht bald ein, wird eben Kosslick in seinem letzten Jahr der Nutznießer dieser Fehde sein. Auch Thierry Frémaux ist klar, dass Cannes vor den neuen Entwicklungen nicht die Augen verschließen kann. Im Gespräch mit Screen Daily ruderte er vorsorglich schon mal etwas zurück: “2018 stehen wir leider da, wo wir stehen. Aber ich bin mir sicher, dass sich viel ändern wird. Netflix wird sich ändern, und Cannes auch.“ Zuvor gab er sich dem Hollywood Reporter noch wesentlich resoluter als er sagte „Netflix und Amazon geben Regisseuren zwar die Möglichkeit, mit großen Budgets zu arbeiten aber dabei entstehen Hybride, die weder Fernsehen noch wirklich Film sind.“ Dies impliziert natürlich die Frage, was einen Film zum „Film“ macht? Steht das Wort „Film“ im Frémaux’schen Sinne als Synonym für Kino?

Die verdeckten Interesse der Industrie

Obgleich nicht nur Thierry Frémaux eine deutliche Trennlinie gezogen sehen möchte zwischen Kino und Streamingdienst. Unlängst gab nämlich auch Steven Spielberg zu Protokoll, dass seiner Meinung nach, Filme von Netflix oder Amazon sich nicht für Oscars qualifizieren dürften, sondern höchstens für Emmys. Diese Aussage trifft der Mann kühl kalkulierend wider besseres Wissen. Denn er weiß als Regisseur nur zu gut, dass die Produktionstechnik selbst sich nicht unterscheidet, ganz gleich, für welche Endverwertung der Film entsteht. Arri Alexa oder Panaflex kommen hier wie dort zum Einsatz, werden teils von den gleichen Kameraleuten geführt. Ja manchmal werden ironischerweise Filme, die von Amazon oder Netflix in Auftrag gegeben wurden, wie z.B. Luca Guadagninos „Suspiria“ sogar noch analog auf 35 mm gedreht, während Kinofilme wie Spielbergs „Big Friendly Giant“ komplett digital entstehen. Hier spricht Spielberg eher als Konkurrent in seiner Funktion als Produzent und Studio-Chef von Amblin Entertainment, einer Firma, die nicht nur für seine eigenen Filme seit E.T. verantwortlich zeichnet, sondern auch über 100 andere Filme, darunter samt und sonders Filme wie Gremlins, Goonies, Transformers, Men in Black, Super 8 oder Zurück in die Zukunft, die man gedanklich ohnehin im kindlichen Spielberg-Universum verortet, aber auch Clint Eastwoods „Brücken am Fluss“, „Flags of our Fathers“ „Letters from Iwo Jima“ und  Rob Marshalls „Memoirs of a Geisha“. So wie auch andere Filmemacher wie Christopher Nolan, die so stürmisch gegen den neuen Platzhirsch wettern, dies weniger aus Überzeugung als aus Eigennutz tun. Aber können gerade Leute wie Nolan oder Spielberg sich nicht mehr daran erinnern, wie sehr es schmerzte, als sie noch zu Beginn ihrer Karrieren aus ähnlich fadenscheinig pseudoelitären Gründen aus vielen Preisverleihungen ausgeschlossen wurden, einfach weil ihre Filme als zu kommerziell galten? Andere Kollegen sehen das ohnehin nicht so verbissen: Gefeierte Filmkünstler und -autoren von Woody Allen bis Jim Jarmusch, von Martin Scorsese bis David Fincher drehen für Streaming-Dienste, was die Grenzen zwischen großer Leinwand und kleinem Bildschirm längst fließend macht. Es geht also weder um Ästhetik noch Filmkunst, denn beides kann und wird unstrittig von beiden Parteien geboten. Nein, es sind faustdicke wirtschaftliche Überlegungen, die dieser Diskussion, der sich jetzt so viele Fachleute nur allzu bereitwillig anschließen, zugrunde liegen. Gerade das Wort Filmkunst (Achtung, es heißt bewusst nicht Kinokunst) gibt Aufschluss darauf, um was es eigentlich gehen sollte: Um das Geschichtenerzählen in bewegten Bildern. Ein Filmfestival muss – will es eine Relevanz für cinephiles Publikum haben und behalten – als einziges Auswahlkriterium für Filme lediglich deren Qualität und Originalität und nicht Provenienz oder Auswertungsform zum Maßstab machen. Wären alle Netflix- u. Amazon-Filme so schlecht, wie uns Spielberg glauben machen will, bedürfte es seines vehementen Einsatzes im übrigen gar nicht, dann hätten sie bei Preisverleihungen ohnehin keine Chance. Nein, sein Problem ist vielmehr, dass die Qualität einiger Filme sehr hoch ist und sie dadurch seinen eigenen Produktionen gefährlich werden könnten im Kampf um Filmpreise, mediale Aufmerksamkeit, Zuschauergunst und Geld. 

Geht mal häufiger ins Kino, Ihr, die Ihr dafür kämpft!

Kommen wir nochmal auf den Anfang zurück: Den unbestritten idealen Ort für Filme, das Kino und die Frage „Was ist das überhaupt?“ Ist es ein Ort oder ein Perzeptionszustand? Sollte ersteres der Fall sein, dann sieht die Realität für einen Cineasten heute nicht ganz so rosig aus, wie das Idealbild, für das nun alle diese Scheingefechte ausgefochten werden: Will ein Filmenthusiast einen kleinen Independent-Arthouse-Film im Kino sehen, muss er a) in einer Großstadt wohnen oder selbige aufsuchen, b) sich in ein kleines, oft nicht mit neuester Technik ausgestattetes Kino begeben, dessen Leinwand kaum größer als seine Bettdecke ist. Er hat auch nicht die Möglichkeit den Film gemeinsam mit vielen anderen Gleichgesinnten zu schauen, denn meist verlieren sich nur drei bis fünf Besucher in seine Vorstellung, die allesamt im Anschluss nicht gerade den redeseligsten Eindruck zum Gedankenaustausch machen. Will er einen Film auf größtmöglicher Leinwand mit hundert anderen Menschen sehen, muss er zur Primetime einen Blockbusterstreifen wählen und ist dann in Gesellschaft einer von infantiler Regression gesteuerten, sich permanent geräuschvoll Popcorn in den Mund schaufelnden auf ihr Handy starrenden menschlichen Masse, deren Erwartung an den Film jene ist, dass sie sich für 2 Stunden halbwegs effektvoll aus ihrem ereignis- und bedeutungsarmen irdischen Dasein katapultieren können. DAS ist Kino heute, und da kann man auch einen Berlinale-Direktor verstehen, dem dabei die Lust am herkömmlichen Kinobesuch vergeht und der dem eigenen, ungestörten Heimkinovergnügen den Vorzug gibt.

Home Entertainment versus Kino

Das wiederum wirft die Frage auf: Funktioniert Kino auch daheim? Klare Antwort: Es kommt drauf an. Mittlerweile haben viele Filmfans ihr Heimkino technisch derart hochgerüstet, dass es den oben beschriebenen abgeranzten Programmkinos den Rang abläuft. Wenn sich ein solcher Filmfreund, dann auch noch ein paar gleichgesinnte Freunde einlädt und ihnen den neuesten Scorsese-Film auf Netflix streamt, im Anschluss noch „Good Fellas“ als Schmankerl auf BluRay hinterher, und man sich dann die Köpfe heiß debattiert über die Frage, wann Scorsese am besten war, was ist das dann, was dieses Grüppchen Filmenthusiasten da macht? Wieviel cineastische Edukation findet heute autodidaktisch – allen technischen Mängeln zum Trotz – im Heimkino statt? Und wieviel tatsächlich noch in Programmkinos? Hand aufs Herz: Wo hat man die Filme von Keaton und Chaplin, Ford und Wyler, Kurosawa und Ozu, Renoir und Welles, Truffaut und Godard gesehen?  

Seitdem das Fernsehen in den 50er Jahren in die Haushalte Einzug hielt, konsumieren Menschen Filme auch außerhalb des Kinos. Schon damals kämpften die Hollywood-Studios mit spektakulären technischen Neuerungen wie Technicolor, Cinemascope und 3D um die Gunst des Zuschauers gegen den neuen Konkurrenten an. Das Kino hat Fernsehen überlebt und auch Video, DVD und BluRay. Es wird auch Netflix überleben, wenn es lernt, das neue Medium nicht als Feind sondern notwendige Ergänzung zu betrachten. Nicht überall gibt es Kinos, aber fast überall gibt es Internet und somit auch die Möglichkeit, Filme zu streamen. Ähnlich wie in den 80er Jahren die VHS-Kassette den Studios ermöglichte, ihre Filme auch in die abgelegensten Winkel zu bringen oder Fans das Frühwerk eines Regisseurs retrospektiv entdecken zu lassen, wo kein Kino in der Nähe oder Fernsehsender sich anschickte eine solche Reihe zu kuratieren, so kann man auch mit Streamingdiensten kooperieren, sie als Ergänzung zum eigenen Angebot sehen und nicht als Untergang der Filmkunst.